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Tatzelwurm

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Der Tatzelwurm (lokal auch Murbl, Arassas, Dazzelwurm, Praatzelwurm, Springwurm, Steinkatze, Stollenwurm, Beißwurm oder Bergstutzen) gilt laut altem Volksglauben als kleiner Verwandter der Drachen oder Lindwürmer und soll vor allem im Alpenraum und im Alpenvorland vorkommen.

Lebensweise, BeschreibungBearbeiten

Aldrov tatzelwurm.jpg

Darstellung von Ulysse Aldrovandi

Äußerlich erinnert er in den meisten Darstellungen an eine Schlange oder Echse, jedoch manchmal mit katzenhaften Merkmalen. Der Sage nach werden die Wesen zwischen 30 und 90 Zentimeter lang, wobei die Angaben von Quelle zu Quelle variieren. Er soll einen gedrungenen Körper haben, bei dem sich der Kopf nicht vom Körper absetzt, und hat nach manchen Beschreibungen nur zwei Beine.

Obwohl im Allgemeinen als relativ scheu beschrieben, gibt es auch Sagen, die ihn als Raubtier darstellen, das Menschen und Vieh anfällt.

In manchen Überlieferungen wird berichtet, dass er in Höhlen, Gängen und Stollen hausen soll, welche der Tatzelwurm teilweise selbst in den Felsboden gräbt. Oftmals schreibt man dem Tatzelwurm die Fähigkeit zu, giftige Dampfwolken und gar Feuer zu speien, was auf seine Verwandtschaft zu den Drachen hindeutet. Es heißt auch, wenn ein Tatzelwurm durch Sand kröche, würde letzterer zu Glas. Auch existieren Überlieferungen, in denen der Tatzelwurm giftigen Schleim spucken konnte oder die Berührung mit diesem Wesen unangenehme Folgen hatte, da er über eine giftige Haut verfüge. Meist wird er mit zwei klauenbewährten Vorderbeinen beschrieben, die er wie eine Raubkatze anwenden konnte, manchmal aber auch ganz ohne sichtbare Beine. Ansonsten ähnelt er eher einer Schlange mit (manchmal ohrenlosem) Katzenkopf.

Tatzelwurm.jpg

Ein Tatzelwurm reisst ein Schwein

Man sagt, dass ein Biss von einem Tatzelwurm für einen Menschen tödlich enden kann. Der Tatzelwurm ist schwer zu fangen, da er unglaublich schnell laufen kann. Er kann grelle Pfeifgeräusche von sich geben, die für menschliche Ohren fast unerträglich sind.

Angeblich vermehren sich Tatzelwürmer nicht auf einem der gängigeren biologischen Wege, sondern entstehen wie folgt: Ein Hahn legt ein schwarzes Ei in einen See, wo es von der Sonnenwärme ausgebrütet wird. Aus dem Ei schlüpft ein Tatzelwurm, der möglicherweise zu einem Lindwurm heranwächst. Hier besteht eine Parallele zu Mythen um Basilisken und Cockatrices, die ebenfalls aus Hahneneiern schlüpfen sollen.

Johann Nepomuk Mahl-Schedl von Alpenburg schrieb 1857, einen Einheimischen Totengräber zitierend, dass die Murbl, wie die Tatzelwürmer regional auch genannt werden, früher wegen ihres Fettes gejagt wurden, was sein Zeuge jedoch nicht wagte, da er die Würmer fürchte.

Moderne SichtungenBearbeiten

Im April 1935 veröffentlichte die Berliner Illustrierte Zeitung den folgenden Beitrag: „Rätselhafte Begegnung im Schweizer Hochgebirge: Der Tatzelwurm, das geheimnisvolle Fabeltier der Alpenwelt zum ersten Male fotografiert? Razzia auf den Tatzelwurm."

Im Text heißt es, dass ein Fotograf namens Balkin versicherte, ohne es zu wollen, ein Foto des mysteriösen Wesens aufgenommen zu haben. Als er in der Umgebung von Meiringen spazieren ging, in der Absicht,
Tatzelwurm Bestiarium.png

Neuere Tazelwurm-Darstellung aus einem Bestiarium.

schöne Landschaftsaufnahmen zu machen, erblickte er etwas, das wie ein malerisches Stück eines Baumstrunks aussah. Das gäbe ein schönes Bild, sagte er sich. Er nahm das Objekt ins Visier, doch in dem Moment, als er den Auslöser betätigte, begann sich der Baumstrunk in einer beunruhigenden Art zu bewegen und erwies sich als große, lebendige Echse mit offensichtlich üblen Absichten. Der Fotograf nahm Reissaus, und stellte fest, nachdem er den Film entwickelt hatte, dass es ihm gelungen war, in freier Wildbahn ein absolut unbekanntes Tier aufzunehmen. Auf der Fotografie sieht man klar und deutlich den Kopf einer Art von dickem «Fisch» mit ziemlich mürrischem Aussehen. Doch die Fische, das wissen wir alle, gehen gewöhnlich nicht bergsteigen.

Die Zeitung druckte die Fotografie in der Folge nicht nur ab, sondern finanzierte auch zwei "Razzien" in der Region, in welcher sich der fotografierte Tatzelwurm herumtreiben sollte. Angeblich aufgrund schlechten Wetters nahmen die Nachforschungen jedoch ein rasches Ende und das Interesse der Öffentlichkeit erlahmte Vermutungen gehen in die Richtung, dass es sich beim Tatzelwurm um eine Art Walzenskink oder Scheltopusik gehandelt haben könnte.

NamensgebungBearbeiten

Der Tatzelwurm wird auch Beißwurm, Dazzelwurm, Praatzelwurm, Springwurm, Steinkatze, Stollenwurm, Bergstutzen, oder in den französichen Alpen auch Arassas genannt.

Der Name Tatzelwurm leitet sich aus den beiden deutschen Begriffen Tatze für Bein, Pfote oder Klaue und der Bezeichnung Wurm ab, also ein Wurm mit Beinen.

Eine ähnliche Art ist wohl der Haselwurm.

Reales VorbildBearbeiten

Als reale Vorbilder für Tatzelwurm-Sichtungen kommen vor allem zwei Arten von Echsen in Frage:

Gefleckter WalzenskinkBearbeiten

Kopievonocellatedskink.jpg

Der gefleckte Walzenskink

Den Gefleckten Walzenskink (Chalcides ocellatus) sieht man tagsüber meistens auf sonnigen Plätzen sitzen.

Da sich der Walzenskink schlangenähnlich bewegt, wenn er davonläuft, wird er oftmals für eine Schlange gehalten.

ScheltopusikBearbeiten

Ophisaurus apodus2.jpg

Der Scheltopusik

Der Scheltopusik oder die Panzerschleiche (Pseudopus apodus, veraltet auch Ophisaurus apodus) ist eine Echsenart innerhalb der Familie der Schleichen (Anguidae). Diese größte Schleiche erreicht eine Gesamtlänge bis 1,4 Meter. Der Name Scheltopusik kommt aus dem Russischen und bedeutet soviel wie Gelbbauch.

Ein Gedicht über den TatzelwurmBearbeiten

1.) Als noch ein Bergsee klar und groß In dieser Täler Tiefen floß, Hab´ ich allhier in großer Pracht Gelebt, geliebt und auch gedracht Als Tazzelwurm.

2.) Vom Pentling bis zum Wendelstein War Fels und Luft und Wasser mein, Ich flog und ging und lag gerollt, Und statt auf Heu schlief ich auf Gold Als Tazzelwurm.

3.) Hornhautig war mein Schuppenleib Und Feuerspei´n mein Zeitvertreib, Und was da kroch den Berg herauf, Das blies ich um und fraß es auf Als Tazzelwurm.

4.) Doch als ich mich so weit vergaß Und Sennerinnen roh auffraß, Da kam die Sündflut grausenhaft Und tilgte meine Bergwirtschaft Zum Tazzelwurm.

5.) Jetzt zier´ ich nur gemalt im Bild Des Schweinesteigers neuen Schild, Die Sennrin hört man jauchzend schrei´n, Und keine fürcht´t das Feuerspei´n Des Tazzelwurms.

6.) Und kommt so ein gelahrtes Haus, So höhnt´s und spricht: "Mit dem ist´s aus, Der war ein vorsündflutlich Vieh, Doch weise Männer sah´n noch nie Den Tazzelwurm."

7.) Kleingläub´ge Zweifler! kehrt nur ein Und setzt auf Bier Tiroler Wein ... Ob Ihr dann bis nach Kufstein fleucht, Ihr spürt, daß ich Euch angekeucht Als Tazzelwurm.

8.) Und ernsthaft spricht der Klausenwirt: "Schwernot! woher sind die verirrt? Das Fuhrwerk schwankt ... im Kopf ist Sturm ... Die sahen all´ den Tazzelwurm! Den Tazzelwurm."

QuellenBearbeiten

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