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Der Ouroboros (griechisch Οὐροβόρος „Selbstverzehrer“, wörtlich „Schwanzverzehrender“; auch Uroboros; von griechisch ourá „Schwanz“ und bóros „verzehrend“; Plural Ouroboroi bzw. Uroboroi) ist eine Schlange, die sich in den eigenen Schwanz beißt und mit ihrem Körper dadurch einen Kreis bildet. Als Symbol ist diese bereits im alten Ägypten belegt[1].

BedeutungBearbeiten

Altes ÄgyptenBearbeiten

Ägyptisches Museum Kairo 2016-03-29 Tutanchamun Grabschatz 09

Ouroboros auf einem Sarkophagschrein des Tutanchamun

Die älteste bekannte Ouroboros-Darstellung stammt von einem der Schreine auf dem Sarg Tutanchamuns aus dem 14. Jahrhundert v. Chr. Die Schlange stellt hier die Göttin Mehen dar. Allgemein der Ouroboros im alten Ägypten das Chaos dar, das die Welt umgibt, und ist in deren stetiger Erneuerung beteiligt[2].

Spätere bekannte Darstellungen aus Ägypten stammen aus magischen Papyri aus der hellenistischen Zeit. Damals symbolisierte der Ouroboros die kosmische Einheit (gr. ἕν τὸ πᾶν, hen to pan, „Eins ist alles“), also die Entsprechung von Mikro- und Makrokosmos. Der Spruch "Eins ist alles" selbst stammt aus einer Ouroboros-Darstellung aus der Chrysopoeia der Kleopatra aus dem dritten Jahrhundert.

Das Symbol des Ouroboros wurde auch von den Römern übernommen, wo es in magischen Amuletten und Talismanen vorkam[3]. Laut dem römischen Autor Maurus Servius Honoratus repräsentierte das Symbol bei den Ägyptern den Jahreskreis.

MystikBearbeiten

Ouroboros Chrysopoea der Kleopatra 1

ἕν τὸ πᾶν - Eins ist alles

Die Darstellung des Ouroboros fand über die magischen Papyri der ägyptischen und griechischen Kultur seinen Einzug in Gnosis und Hermetik und davon über die Alchemie auch in die Magie der Renaissance.

Der Ouroboros ist hier ein Symbol für einen in sich abgeschlossenen Prozess, der von Mystikern darum als perfektes, weil autarkes, Wesen angesehen wird. Der Ouroboros braucht keine Wahrnehmung, da außerhalt seiner nichts existiert, keine Nahrung, da er sich selbst bzw. seine eigenen Ausscheidungen frisst, und keine Gliedmaßen, da es keinen Ort außerhalb ihm selbst gibt, zu dem er sich bewegen könne. Dabei beziehen sie sich oft auf Platon, der in seinem Timaios die erste Lebensform folgendermaßen beschreibt:

"Demjenigen lebendigen Wesen, welches alles andere Lebendige in sich fassen soll, dürfte nun wohl auch eine Gestalt angemessen sein, welche alle anderen Gestalten in sich faßt. Deshalb drehte er sie denn auch kugelförmig, so daß sie von der Mitte aus überall gleich weit von ihren Endpunkten entfernt war, nach Maßgabe der Kreisform, welche von allen Gestalten die vollkommenste und am meisten sich selber gleiche ist, indem er das Gleiche für tausendmal schöner als das Ungleiche hielt; "
―Platon - Timaios[[1]]

Jedoch gibt es keine Belege, dass diese Lebensform tatsächlich mit dem Ouroboros gleichzusetzen ist.

Der gnostische Text Pistis Sophia beschreibt den Ouroboros als einen zwölfteiligen Drachen, der die Erde umschlingt, was an die Weltenschlange Jormungand und ähnliche Schlangen aus anderen Mythen erinnert[2].

Der Ouroboros aus der Chrysopoeia der Kleopatra wird mit seiner schwarzen und weißen Hälfte in der Gnosis als Symbol für die Dualität des Lebens angesehen und mit dem Stein der Weisen, den die Alchemie sucht, in Verbindung gebracht.

AlchemieBearbeiten

Ouroboros

Stich von Lucas Jennis aus De Lapide Philosophico

In der Alchemie symbolisiert der Ouroboros den in sich abgeschlossenen Wandlungsprozess der Materie, der im Erhitzen, Verdampfen, Abkühlen und Kondensieren einer Flüssigkeit zur Verfeinerung von Substanzen dienen soll.

In der Alchemie gibt es oft auch eine Variante des Symbols, in der sich zwei Schlangen gegenseitig in den Schwanz beissen, wobei die obere Schlange als Zeichen der Flüchtigkeit oft Flügel hat.

Analytische PsychologieBearbeiten

In der Analytischen Psychologie ist der Ouroboros ein Symbol für die frühkindliche Entwicklungsphase, in der die Differenzierung zwischen dem Selbst und der Außenwelt noch nicht ausgeprägt ist. Auch eine Geschlechtsidentität ist noch nicht vorhanden. Erst mit dem Entstehen des Ich-Bewusstseins wird die ouroborische Phase beendet.

Ähnliche SchlangenBearbeiten

  • Die Midgardschlange Jormungand aus der nordischen Mythologie liegt um die (nach damaliger Vorstellung flache) Welt gerollt und beisst sich in den eigenen Schwanz.
    • Vergleichbare Schlangen finden sich auch in anderen Mythen, z.B. die Weltenschlange aus der Mythologie einiger Südamerikanischer Ureinwohner, die oft eine Anakonda ist[4].
  • Nach manchen Überlieferungen beisst sich auch die Schlange, die Ragnar loðbrók getötet hat, in den eigenen Schwanz. Später wird Ragnars Sohn mit einem Ouroboros-Symbol im Auge geboren, weshalb er ihn Sigurðr ormr í auga (dt. Sigurd Schlange-im-Auge) nennt[5].
  • Es gibt in manchen Mythologien auch Schlangen, welche sich nicht nur in den eigenen Schwanz beißen, sondern dann auch wie in Rad rollen können. Dies ist das bezeichnende Merkmal der Hoop snake aus der Mythologie amerikanischer Holzfäller, wird jedoch auch der Amphisbaene, der Tsuchinoko und dem Lindorm nachgesagt.

QuellenBearbeiten

  1. Alexandre Piankoff: The Shrines of Tut-Ankh-Amon (= Bollingen Series 40, 2, ZDB-ID 844375-0 = Egyptian religious Texts and Representations 2). Pantheon Books, New York NY 1955, Taf. 48.
  2. 2,0 2,1 Hornung, Erik. The Ancient Egyptian Books of the Afterlife, Cornell University Press, 1999
  3. Hornung, Erik (2002). The Secret Lore of Egypt: Its Impact on the West. Cornell University Press
  4. Roe, Peter (1986), The Cosmic Zygote, Rutgers University Press
  5. Snerpa.is: ÞÁTTR AF RAGNARS SONUM (isländisch)