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Lindorm, Richard Svensson

Darstellung auf Basis der Augenzeugenberichte

Der Lindorm (swe. Lindwurm) ist ein Fabelwesen der schwedischen Folklore, das meist als große Schlange, teilweise mit Beinen, beschrieben wird. Obwohl der Name von Lindwurm (von althochdeutsch lint und wurm bzw. altnordisch linnr, linni und ormr) abgeleitet zu sein scheint, impliziert der Name in manchen Mythen eine Verbindung zu Linden, unter deren Rinde der Lindorm seine Eier zu legen scheint.

Parallel zu den Geschichten vom Tatzelwurm oder Drachensichtungen wie diejenige von Marcus Atilius Regulus in Nordafrika handelt es sich bei Lindorm-Geschichten meist auch um Augenzeugenberichte einzelner Personen, weshalb sie eher den Kryptiden als den Fabelwesen zuzuordnen sind. Vermutlich basieren die Sichtungen auf großen Schlangen oder ähnlichen Tieren.

FolkloreBearbeiten

Eine der ältesten Geschichten eines Lindorms, aus dem 9. Jahrhundert, entspricht noch eher einer Sage. Hierbei handelt es sich um die Sage von Ragnar loðbrók, welcher Tora, die Tochter eines Jarls, vor dem Tier rettet. Hier handelt es sich noch um eine klassische Drachentöter-Geschichte.

In späteren Geschichten wird der Lindorm für gewöhnlich nicht mehr als Synonym zum Drachen angesehen, der Drache wird zu einer übernatürlichen Kreatur, während der Lindorm eher als ungewöhnliches einheimisches Tier angesehen wird.

Dennoch ist der Lindorm oft noch ein mächtiger Gegner. So erzählt z.B. eine Geschichte aus Blekinge von einer Stadt, die rasch größer wurde und sich dabei in den Wald eines Lindorms ausbreitete. Dieser reagierte darauf, indem er begann, sich von den Menschen der Stadt zu ernähren. Die Bewohner können ihn erst töten, als sie seinen Wald niederbrennen, jedoch fing dabei auch die Stadt Feuer und brannte nieder.

Diverse Mythen sollen davon erzählen, dass Lindorms die Seelen verstorbener sind, während sie laut anderen Mythen Trolle, Feen oder sogar eine Form des Teufels darstellen.

KryptozoologieBearbeiten

Gunnar Olof Hyltén-CavalliusBearbeiten

1884 veröffentlichte der schwedische Folklorist und Kulturhistoriker Gunnar Olof Hyltén-Cavallius ein Buch namens Om Draken eller Lindormen (swe. Vom Drachen oder Lindwurm), in welchem er Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften aufforderte, eine Belohnung auf das auffinden eines lebenden oder toten Lindorms auszusetzen, was jedoch nie passierte. Er war nämlich in den Jahren zuvor, bei der Recherche zu einem Buch über die Folklore und Sagen Schwedens, vermehrt über Lindorm-Geschichten und -Augenzeugenberichte gestolpert, die ihn zu dem Schluss brachten, es handele sich nicht um ein Fabelwesen, sondern um ein reales Tier.

Laut Hyltén-Cavallius ist der Lindorm eine dunkel gefärbte Würgeschlange, die bis zu 5m lang und so breit wie der Oberschenkel eines erwachsenen Mannes werden kann. Auf dem Kopf befindet sich bei manchen Exemplaren ein Kamm aus Schuppen, der an eine Pferdemähne erinnert. Wenn ein Lindorm gestört wird, richtet er sich auf, wobei er seinen Kopf bis zu 1,5m hoch heben kann.

Während Hyltén-Cavallius nie ein lebendes oder totes Exemplar des Lindorm zu Gesicht bekam, erzählten ihm doch viele Personen ihre Augenzeugenberichte, die er sammelte und 1886 in einer überarbeiteten Version von Om Draken eller Lindormen veröffentlichte.

Anhand der Berichte kam er zu dem Schluss, dass der Lindorm in ganz Småland verbreitet ist, vor allem nahe Seen und Flüssen, wo sie sich unter Felsen verstecken. Schwimmen sie, halten sie den Kopf immer über Wasser. Während Längen bis zu 5m vorkommen, sind die meisten Tiere nicht länger als 3m. Der Rücken der Tiere sei dunkel, während der Bauch gelblich ist. Der kurze Schwanz lässt sie plump erscheinen.

Werden die Tiere belästigt, richten sie sich auf und fauchen, bevor sie versuchen zu fliehen. Sollte es zum Kampf kommen, sprühen sie eine giftige Flüssigkeit, die einen Menschen sogar töten kann. Der Tote stinkt danach noch penetranter als eine normale Leiche.

Manche Augenzeugenberichte, die Hyltén-Cavallius für reine Fantasie hält, berichten, wie das Tier seinen Schwanz in den Mund nimmt und sich zu einem Ring formt, um sich rollend forzubewegen. Ähnliches wird von anderen mythologischen Schlangen wie der Hoop snake oder der Amphisbaene berichtet.

Trotz seiner Bemühungen wurde Hyltén-Cavallius zum Gespött unter den Zoologen seiner Zeit. Mit der Unterstützung einiger weniger Freunde setzte er seine Nachforschungen jedoch bis zu seinem Lebensende fort.

SichtungenBearbeiten

Die folgenden Sichtungen wurden, neben vielen anderen, von Hyltén-Cavallius in seinem Buch gesammelt:

  • Ein Johan Sedig berichtete von einem Lindorm auf einer Insel im See Läen, der fast 4m lang war, und haselnussgroße Augen ähnlich denen einer Aspisviper hatte.
  • 1844 wurde eine Gruppe Arbeiter auf einer Insel im Åsnen-See von einem Lindorm angegriffen, kam aber unverletzt davon. Am nächsten Tag war keine Spur mehr von der Schlange zu finden.
  • In den 1850ern soll eine Elna Olsdotter aus Skåne von einem Lindorm gefressen worden sein, als sie auf dem Weg zur Kirche unter einer Linde rastete. Nur ihr Seidenschal und ihr Gebetsbuch wurden von der Schlange verschmäht.
  • Ebenfalls in Skåne begegneten eine Mutter und ihre Tochter einem Lindorm, als sie nahe einer Linde Beeren pflückten. Die Schlange lebte in einem Loch in dem Baum, und als die Tochter entgegen der Warnungen der Mutter hineinfasste, wurde sie verschlungen.
  • 1862 wurde ein über 4m langer, schwarzer Lindorm von einem Petter Johanson gesichtet. Der Kopf soll über 20cm lang gewesen sein und Augen gehabt haben, die so groß waren wie die einer Kuh. Die gespaltene Zunge war so dick wie der kleine Finger eines Menschen. Am Hinterkopf hatte das Tier Borsten ähnlich einer Pferdemähne. Nach mehreren Versuchen, das Tier mit einem Pfahl aufzuspießen, floh Johanson vor Angst. Jedoch berichtete er selbst, vor und während der Begegnung eine nicht unerhebliche Menge Schnaps getrunken zu haben.
    • Johanson berichtet auch von Unteroffizier Dacke, einem anderen Augenzeugen, welcher auf das Tier geschossen haben soll, die Leiche am nächsten Tag jedoch nicht finden konnte.
  • Ein Johan Edvard Vallentin berichtet, er hätte (ebenfalls alkoholisiert) einen Lindorm gesehen und mit einem Stock geschlagen, damit das Tier aus dem Weg ginge. Als ihn das Tier daraufhin angriff verteidigte er sich mit dem Stock bis der Stock brach und das Tier sich unter einigen Felsen verkroch, wo er den Kopf der Schlange mit einem schweren Stein zertrümmerte.

Moderne ForschungenBearbeiten

Weitere Sichtungen wurden auch nach Hyltén-Cavallius' Tod gemacht. Nachdem das Thema in den 1980ern vom Folkloristen Jan-Öjvind Svahn in einer Fernseh-Sendung erwähnt wurde, erhielt dieser zahlreiche Schilderungen von Augenzeugen-Berichten. Hier wurde das Tier meist nicht als Lindorm, sondern als Seemonster bezeichnet, ähnlich dem Ungeheuer von Loch Ness oder dem Lagarfljótwurm.

Dem Kryptozoologen Dale Drinnon wurde von einem Augenzeugen ein Landstrich in Schweden gezeigt, welcher dort als Lindorm Land bekannt sein soll. Das Gebiet soll regelmäßig von migrierenden Aalen besucht worden sein, welche auch einige Meter über Land kriechen können. Möglicherweise sind diese für die Sichtungen von Lindorms verantwortlich. Dafür spricht, dass der Kamm bzw. die Mähne mancher Berichte auf den Flossensäumen der Aale basieren könnte.

QuellenBearbeiten

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