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Jaculus

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JaculusBestiarium.jpg

Ein Jaculus in einem alten Bestiarium

Der Jaculus (auch Iaculus, Javelot, Jaculi, Wurfspeer-Schlange) ist eine Schlange, die aus mittelalterlichen Bestiarien bekannt ist. Häufig ist sie geflügelt, manchmal hat sie zusätzlich auch Beine.

Frühe QuellenBearbeiten

Jaculus.jpg

Ein Jaculus tötet einen Menschen.

Laut Lucan lebt das Tier in Libya (Lybien), womit in der Antike ganz Nordafrika gemeint sein konnte. Einer von Lucans Reisegefährten, ein Mann namens Paulus, wurde von einem Jaculus getötet[1]. Plinius der Ältere und Isidor von Sevilla beschreiben, dass der Jaculus aus Bäumen auf seine Beute springt oder fliegt wie ein Wurfspeer. Lucan beschreibt, dass das Tier nur kurz zubeißt bzw. zusticht und dann flieht, doch die Beute geht durch das Gift trotzdem zugrunde.[2]

Edward TopsellBearbeiten

Dart Topsell.jpg

Topsells Darstellung der Schlange, die er Dart nennt.

Edward Topsell beschreibt das Tier unter dem Namen Dart oder Arrow (beides englisch für Pfeil), gibt jedoch ebenfalls die lateinischen Namen Jaculares und Jaculi an. Laut ihm soll der Apostel Paulus von einem Jaculus angefallen worden sein. Als Verbreitungsgebiet gibt er Libyen, die griechischen Inseln Rhodos und Limnos, die italienischen Regionen Kalabrien und Sizilien, aber auch Deutschland und am Fluss Glatt in der Schweiz.

Nahe Glatfelden soll ein Mann einen Jaculus in einem Baum entdeckt haben, kurz bevor die Schlange springen konnte. Es gelang ihm wegzulaufen, doch der Jaculus sprang 16 oder 17 Fuß (ca. 5m) weit und verfehlte den Mann. Als der Mann zurückkehrte, um seine in der Eile fallen gelassenen Sachen zu holen, sprang die Schlange ihn erneut aus einem Baum an und wand sich um seinen linken Arm. Der Mann konnte das Tier entfernen, bevor er gebissen wurde, und kam so mit dem Leben davon, doch sein Arm trug gut sichtbare Abdrücke, da die Schlange sich fest um ihn gewunden hatte. An diesen Stellen begann später sein Fleisch zu faulen. Ein Arzt konnte das Leben des Mannes retten, jedoch musste er danach jährlich aderlassen (damals eine anerkannte medizinische Praxis) und die Narben waren ein Leben lang zu sehen.

Gegen das Gift des Jaculus sollen die gleichen Gegengifte helfen, wie gegen Viperngift. Die Galle des Jaculus soll, vermengt mit skythischem Gestein, zu einer Augensalbe verarbeitet werden können[1].

Topsell beschreibt auch dass laut Olaus Magnus der Ruf dieser Schlangen Pflanzen zum welken bringt. Auf diese Weise kann man die Schlange schon aus der Ferne orten und vermeiden.

Topsell erwähnt einige Variationen und Unterarten des Jaculus, die von verschiedenen Autoren beschrieben wurden.

DecurtatiBearbeiten

Laut Johannes Vitus und Conrad Gesner soll es in Ungarn eine ähnliche Art namens Decurtati geben, welche keinen Schwanz hat und nur ca. zwei Handbreiten lang ist, aber genauso dick ist wie der Dart und auf die gleiche Art und Weise angreift.

ChersydrusBearbeiten

Er gibt auch Informationen von Aelian wieder, der diese Schlange mit einer Schlange namens Chersydrus, bei der es sich möglicherweise um die Ringelnatter handelt[3], gleichsetzt. Aelian beschreibt, dass das Tier im Wasser lebt, manchmal aber an Land geht und sich auf Bäumen auf die Lauer legt, wie andere Autoren dies beschreiben. Laut Aelian bleibt der Jaculus stecken, bis die Beute tot ist. Topsell ist aber überzeugt, dass es sich bei der Chersydrus um eine andere Art handelt als den von ihm beschriebenen Dart.

Rhodischer JaculusBearbeiten

Laut Bellonius ist der Körper eines Jaculus, den er in Rhodos gesehen hatte, mit schwarzen Punkten bedeckt, die eingekreist sind, so dass sie wie Augen aussehen, ähnlich den Punkten des Gefleckten Zitterrochen (Torpedo torpedo). Das Tier war drei Handbreit lang und so dick wie ein kleiner Finger. Sein Rücken war aschgrau, fast weiß, der Bauch war reinweiß. Schuppen hatte das Tier nur am Rücken.

Cafezati und AlteratatiBearbeiten

Diese sehr kleinen Schlangenarten wurden von Avicen beschrieben. Sie sind rot und haben ein starkes Gift, das je nach Quelle entweder sofort schmerzfrei tötet, oder einen langen, schmerzhaften Tod bewirkt. Diese setzt Topsell mit den Feurigen Schlangen Israels gleich, die die Bibel beschreibt.[4]

FandrefialaBearbeiten

In der Mythologie Madagaskars gibt es eine vergleichbare Schlange, die Fandrefiala. Ihr Kopf ist spitz, und sie springt von Bäumen und macht sich steif, um ihre Beute wie ein Speer aufzuspießen. Diese Legende basiert vermutlich auf spitzköpfigen Schlangen wie Ithycyphus[5].

TriviaBearbeiten

  • Dr. Ernest Drake beschreibt den Jaculus (Serpens volucer) als "fliegendes Geschöpf, das dem Drachen Amphitere ähnelt". Seine besonderen Kennzeichen sind gepfählte Beutetiere sowie rosafarbener Kot. Weiterhin wird ein Jaculus abgebildet, der einen Zwergdrachen aus seinem Revier vertreibt.[6]
  • Der wissenschaftliche Neme der Wüstenspringmäuse (Jaculus sp.) und der westlichen Sandboa (Eryx jaculus) stammt vom Namen der mythischen Schlange.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. 1,0 1,1 A Book of Creatures: Jaculus (englisch)
  2. Medieval Bestiary: Jaculus (englisch)
  3. Isis von Oken, 1819
  4. BHL: The history of four-footed beasts and serpents (englisch)
  5. Monstropedia: Fandrefiala (englisch)
  6. Dr. Ernest Drake (2008): Expedition in geheime Welten – Fantastische Wesen, ISBN 978-3760734040

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