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Lenox Globus

Der Hunt-Lenox-Globus

Die lateinische Textphrase hic sunt dracones (auch hic svnt dracones) bedeutet übersetzt "Hier leben Drachen" und beschrieb in wenigen alten Weltkarten Gebiete, die dem Kartographen unbekannt waren. Solche Gebiete wurden meist mit Fabelwesen wie z.B. Drachen illustriert.

Entgegen der landläufigen Meinung ist die Phrase nur auf zwei historischen Karten nachgewiesen[1]. Dabei handelt es sich um den Hunt-Lenox-Globus (1503-1507), wo sie die Ostküste Asiens beschreibt[1] (möglicherweise als realer Bezug zu den Komodo-Drachen[2]) und einen auf ein Straußenei gezeichneten Globus aus dem Jahr 1504[3].

Drachen und Monster am Rand der WeltBearbeiten

Carta Marina

Die Carta Marina von Olaus Magnus

Borgia-Karte

Der Ausschnitt der Borgia-Karte, der u.a. den Drachen zeigt

Das Ausschmücken unbekannter Gebiete mit Fabelwesen war jedoch wesentlich weiter verbreitet und findet sich z.B. auch auf der Carta Marina von Olaus Magnus.

Weitere Beispiele für Drachen auf alten Karten sind:

  • Auf der Londoner Psalterkarte (ca. 1260) sind unter der Erdscheibe Drachen abgebildet, während darüber Jesus und Engel dargestellt werden.
  • Die Ebstorfer Weltkarte (13. Jahrhundert) zeigt im Südosten Afrikas einen Drachen, einen Basilisk und eine Aspis.
  • Die Carta Marina (1539) zeigt neben vielen anderen Seemonstern und Land-Kreaturen auch ein an einen Wyvern erinnerndes Wesen im Norden Lapplands, das ein kleines Säugetier verschlingt.
  • Die Borgia-Karte (frühes 15. Jahrhundert) zeigt einen Drachen in Asien, der laut Beschriftung einen Ochsen am Stück fressen kann.
  • Die Fra Mauro Karte (ca. 1450) zeigt die Isola de' dragoni (dt. Drachen-Insel), auf der Drachen leben sollen, die einen heilsamen Drachenstein tragen. Fra Mauro beschreibt auch die Jagdmethode der Einheimischen, um an die Steine zu kommen, vermutlich basierend auf Albertus Magnus De mineralibus. In einer anderen Beschriftung der Karte erwähnt Fra Mauro, dass einige Historiker gegenüber Drachen, Schlangen und Basilisken skeptisch sind[4].
  • Alexander von Humboldt vermutete, dass der Name der fiktiven Insel Antillia, Namensgeber der Großen und Kleinen Antillen, sich vom arabischen al-Tin or al-Tennyn, arabisch für Drache, ableitet und die Insel ursprünglich Jezirat al Tennyn, Dracheninsel, hieß, da auch arabische Kartographen dazu neigten, am Rand von Karten Drachen abzubilden[5].

Moderne VerwendungBearbeiten

Vor allem die englische Variante Here be dragons wird heute von diversen Organisationen und Künstlern verwendet. So war sie z.B. das Motto des 26. Chaos Communication Congress, und war auch im Logo unseres englischen Partnerwikis enthalten. Auch Captain Picard aus Raumschiff Enterprise bezeichnet das Unbekannte mit „Beyond this place there be dragons“.

QuellenBearbeiten

  1. 1,0 1,1 Erin C. Blake(1999). "Where Be "Here be Dragons"?". MapHist Discussion Group.
  2. Dennis McCarthy (2009), Here be Dragons – How the study of animal and plant distributions revolutionized our views of life and Earth, Oxford University Press, ISBN 0-19-954246-5
  3. Meeri Kim(18 August 2013). "Oldest globe to depict the New World may have been discovered". The Washington Post
  4. Piero Falchetta (2006), Fra Mauro's World Map, Brepols, S. 294–295, ISBN 2-503-51726-9
  5. Alexander von Humboldt (1837), Examen critique, Vol. 2, S. 211