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Guivre

Vouivre. Liber Floridus, 1448

Guivre (franz. für Viper, frainc-comtou vouivre) ist in vielen französichen Sagen eine Bezeichnung für Schlangen oder Schlangendrachen. Der Begriff ist etymologisch mit dem Wort Wyvern verwandt, und in der Tat können die Schlangen nach manchen Quellen fliegen. Diese Art hatte außerdem einen giftigen Atem und konnte durch ihre bloße Anwesenheit Krankheiten und Seuchen unter den Menschen verbreiten.

In einer französischen Legende wollte ein solcher Guivre einen Bauern, der im Fluss badete, aus dem Hinterhalt angreifen. Als der Bauer dem Schlangendrachen jedoch seinen nackten Körper zuwandte, wurde Letzterer vor Verlegenheit rot im Gesicht und verschwand, so schnell es ging, im Gebüsch. Diese Taktik zur Abwehr eines Guivre schien sich unter den Franzosen rumzusprechen, und so wurde nie wieder einer in Frankreich gesehen. Vermutlich hatte sich die Art in kältere Gefilde zurückgezogen, wo die Menschen nicht nackt baden gingen.[1][2]

Eine andere Legende erzählt dass La Guivre (die Viper) eine Schlange war, die von St. Samson von Dol unter der Robe eines Priesters gefunden wurde, nachdem dieser versuchte, Brot zu stehlen. Durch einen Exorzismus gelang es Samson, die Schlange zu vertreiben oder zu töten[3].

VouivreBearbeiten

Vouivre

Darstellung eines Vouivre nach A Book of Creatures

Das synonyme Wort Vouivre bezeichnet meist einen weiblichen Drachen. Vouivres sind die großen Feuerschlangen aus französischen Sagen. Sie wurden hauptsächlich aus fernen Bergregionen gemeldet, wo sie Quellen, Brunnen, Höhlen, tiefe Teiche und Schlossruinen aufsuchen. Sie sind aus Bourgogne, Franche-Comté, Savoyen, dem Jura-Gebirge und benachbarten Regionen, mit möglichen Verwandten im Aostatal und der Schweiz, bekannt.

Das Wort "Vouivre" ist vom Lateinischen vipera abgeleitet und bedeutet ebenfalls "Viper". Vouivres selbst sind die spirituellen Nachfahren der Melusine, welche ihre menschlichen Eigenschaften verloren haben. Sie wurden als Drachen, Schlangen und Feen in Gestalt großer Reptilien beschrieben und sind stets die Wächter kostbarer Schätze.

Vouivres variieren stark im Erscheinungsbild, sind aber stets weiblich und werden mit Feuer und Wasser assoziiert. Der klassische Vouivre, wie er in Faverges, Fleury-la-Tour, Mont-Beuvray, Rosemont, Solutré und Thouleurs beobachtet wurde, ist eine immense, geflügelte Schlange, die von Feuer bedeckt wird. Anstelle von Augen trägt ein Vouivre einen großen Diamant oder Rubin auf seinem Kopf, der ihn durch die Luft führt. Er entfernt ihn beim Baden und ist so blind und verwundbar für Diebe. Besitzt er den Augenstein eines Vouivre, erlangt der Dieb Reichtum und Glück. Der immense Vouivre von Boëge bewacht einen Schatz und trägt eine wertvolle, goldene Halskette. In La Baume ist er 4 Meter lang und trägt Edelsteine und Perlen bei sich. Manchmal lassen sie einzelne Edelsteine beim Landen zurück. Der Vouivre von Lucinges ist eine glühend rote Viper, die im Flug ein seltsames Pfeifen erzeugt. Der Vouivre von Gemeaux, welcher zwischen 2 und 3 Uhr nachmittags erscheint, trägt eine Kapuze wie eine Kobra.

In Brizon kann er sowohl als Vogel oder geflügelter Steinmarder mit einer brillanten Halskette erscheinen, aber auch die Form einer großen Schlange mit Flügeln und einem Diamanten an ihrem Schwanz haben. Vouivres müssen nicht einmal wie Tiere aussehen: In Chevenoz erscheint er als brennender Feuerball, der über den Himmel streift, in Saint-Jean-d'Aulps und Vallorcine ist er eine einäugige Feuerzunge und in Le Biot ist er ein Stern, dessen Erscheinung Krieg und Streit ankündigt. Der Vouivre vom Schloss Orgelet sieht im Flug wie ein glühender Eisenstab aus und der Vouivre von Sixt-Fer-à-Cheval ist eine gefiederte, goldene Halskette, die durch die Luft fliegt.

Eine der effektivsten Möglichkeiten, einen Vouivre zu töten, besteht darin, sich in einem mit Stacheln gespickten Fass zu verstecken. In Condes gelang es einem Mann, einem Vouivre seinen Diamanten zu stehlen und in einem genagelten Waschzuber zu verstecken. Der wütend gemachte, geblendete Drache hat sich beim Versuch, ihn zurückzubekommen, selbst getötet. Während ein anderer Mann im Aostatal einen Vouivre in ähnlicher Weise tötete, haben andere, potenzielle Diebe nicht so viel Glück gehabt: Der Vouivre von Reyvroz hatte eine Halskette von großem Wert, die von einem Mann in einem Stachelfass gestohlen wurde. Er starb und der Dieb starb bald nach. Dem Vouivre von Samoëns wurde seine Perlenkette auf gleiche Weise gestohlen, aber er drückte das Fass trotzdem und zwang den Dieb, die Kette zurückzugeben. Der Drache verschwand anschließend und wurde nie wieder gesehen. In Manigod, wo das Gras einige Jahre nach der Passage des Vouivre nicht mehr wuchs, stahl ein Mann seinen Diamant und wurde getötet. Vorher wurde sein Fass zerschlagen und das Juwel ihm abgenommen.

Wie alle Drachen sind Vouivres gegenüber den Kräften heiliger Personen verwundbar. Der Vouivre von Saint-Suliac wurde von St. Suliac in eine unterirdische Höhle gejagt, nachdem er einen seiner Mönche getötet hatte. Fortan wurde der Ort Trou de la Guivre, die "Höhle des Guivre", genannt.

Thollon-Les-Mémises gehört zu den Orten, in denen "Vouivre" zu einer Bezeichnung für eine unangenehme, böse Frau geworden ist.

Moderne Versionen des Vouivre wurden mit den Eigenschaften einer verlockenden Frau verschönert, um sie möglicherweise mit Melusine zu verbinden. Marcel Aymé macht aus ihm ein wildes Mädchen im Wald, welches ein Gefolge aus Vipern besitzt und Dubois eine schöne Fee, welche beim Baden ihre Drachenhaut ablegt[4].

Nach dem Vouivre bzw. der Viper ist die Brachiosauridae-Gattung Vouivria benannt.

BiscioneBearbeiten

Möglicherweise mit dem Guivre und Vouivre verwandt ist die italienische Biscione oder Vipera (Viper), welche im mailändischen Dialekt auch Bissa genannt wird. Der Name Biscione leitet sich ab von biscia (it. ungiftige Schlange).

QuellenBearbeiten

  1. Iris Rinkenbach & Bran O. Hodapp (2002), Das grosse Buch der Drachen, S.81, Schirner Verlag, ISBN 978-3897671126
  2. Dr. Karl Shuker (2007), Drachen: Mythologie - Symbolik - Geschichte, S.16, TASCHEN GmbH, ISBN 978-3822851494
  3. Dickens, Charles (1864). "All The Year Round" X (227–250). Oxford University.
  4. A Book of Creatures: Vouivre

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