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Further Drachenstich

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Der robotische Drache Tradinno

Der Further Drachenstich in Furth im Wald in der Oberpfalz gilt als ältestes Volksschauspiel Deutschlands. Als Drachenstich wird dabei allgemein das Töten eines Drachen bezeichnet. Lokal verbreitet ist die Bezeichnung in vielen Regionen in Süddeutschland und Österreich mit regionalen Drachensagen.

GeschichteBearbeiten

Drachenstich2.jpg

Historische Darstellung des Drachenstichs

Vermutlich basiert der Drachenstich auf den üblichen Drachenkämpfen, wie sie in mittelalterlichen Legenden weit verbreitet sind, und versinnbildlicht den Sieg des "Guten" über das "Böse". Höchstwahrscheinlich handelte es sich ursprünglich um eine Darstellung der Legende von St. Georg. Seit "unvordenklichen Zeiten" wird in Furth im Wald der Lindwurm gestochen.

Ein erster Hinweis auf dieses uralte Brauchtum findet sich im Further Ratsbuch von 1590, wo erwähnt wird, dass ein Bürger in Ritterrüstung an der Fronleichnahmsprozession teilnahm. Wie weit die Tradition des Drachenstechens von dort aus noch in die Vergangenheit zurückreicht wird sich wohl nie mehr feststellen lassen. Zu viele alte Aufzeichnungen sind im Lauf der Jahrhunderte an der stets umkämpften bayerisch-böhmischen Grenze ein Raub der Flammen geworden.

Lange Zeit waren Drache und Ritter, die damals die Legende des heiligen Georg darstellten, Teil der Fronleichnahmsprozession. Derart effektvolle Fronleichtnahmsprozessionen waren als Protest gegenüber den Bilderfeinden der protestantischen und hussitischen Bewegungen üblich.

Jedoch wurde der Drachenstich immer mehr zur Belustigung für das Volk. So soll z.B. der Drache bei einem Auftritt nach den attraktivsten Zuschauerinnen geschnappt haben, bevor ein Ritter, der sich vorher in den Wirtshäusern Mut antrank, ihn erlegte. Wurde die Blutblase, die der damalige Drache im Maul hatte, mit der Lanze nicht getroffen, wurde er auch schonmal mit einem Vorderlader erschossen.

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Der Drache des Hoftheaters (links) und zwei frühere Drachen aus Furth

Seit 1754 gab es häufig Probleme mit der Kirche, die derartige Ausschweifungen im Zusammenhang mit Fronleichnahm nicht gerne sah. 1878 wurde das Schauspiel sogar verboten, was jedoch von den Bürgern ignoriert wurde. Pünktlich zur Fronleichnahmsprozession stand ein Drache vor der Kirche. Der entsetzte Pfarrer soll die Prozession in der Kirche fortgeführt haben, während auf der Straße der Drache gestochen wurde. Dass der Drache den Furthern sehr wichtig ist fiel auch 1863 auf, als bei einem Stadtbrand der Kopf des Drachen aus der brennenden Stadt gerettet wurde.

Als Reaktion auf das Verbot von 1878 und den Wiederstand dagegen ist der Drachenstich seit 1879 ein eigenständiges Festspiel abseits von Fronleichnahm. In diesem Jahr erhielt die Aufführung auch erstmals eine eigene Handlung, welche im Laufe der Jahre immer wieder verändert und modernisiert wurde. So symbolisierte der Drache z.B. während des zweiten Weltkriegs die Feinde des Deutschen Reiches, während in Friedenszeiten die böhmischen Nachbarn auch im Stück wohlwollend betrachtet werden.

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Der Drache von 1947 bis 1974

1913 verkaufte das Münchner Hoftheater seinen Drachen, der in Wagners Opfer Der Ring des Nibelungen den Lindwurm Fafner verkörperte, an die Further. 1947 wurde dieser Drache durch einen motorisierten Drachen ersetzt, welcher sogar Disney als Vorlage für den Film "Dornröschen" diente. Dieser hielt bis 1974 durch und wurde dann durch ein moderneres Modell auf Basis eines Gabelstaplers ersetzt.

1951 schrieb Josef Martin Bauer das noch heute genutzte Drehbuch, welches im Jahr 1431 während der Hussitenkriege spielt und einen Fahnenträger namens Udo als Drachentöter nennt. Dieses war damals noch stark vom verlorenen Weltkrieg und der Angst vor der Sovietunion geprägt. 2006 kreierte Alexander Etzel-Ragusa eine neue Version des Stücks, welche den Drachen in den Mittelpunkt der Handlung stellt.

TradinnoBearbeiten

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Tradinno (links) und sein Vorgänger

Für das Festspiel wurden alle paar Jahre immer fortschrittlichere Drachen gebaut. Der seit 2010 benutzte Drache Tradinno wird von vier Menschen gesteuert, verfügt über (annähernd) realistische Bewegungen und Mimik. Sein Name ist eine Kombination aus Tradition und Innovation.

Unter der Leitung der Zollner Elektronik AG vereinigten sich mehr als 20 Firmen und Institutionen, um das High-Tech-Monster zu realisieren: Hollywoods Effekt-Spezialisten von Magicon waren ebenso dabei wie führende Mechatronik- und Metallbaufirmen bis hin zu AUDI und dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrttechnik. Insgesamt ist er 15,50 Meter lang, 3,80 Meter breit, 4,50 Meter hoch, hat eine Flügelspannweite von 12 Metern und ein Gewicht von 11 Tonnen. Damit ist er der größte vierbeinige Schreit-Roboter der Welt und steht als solcher auch im Guinness-Buch der Rekorde

Das StückBearbeiten

Die Handlung des Drachenstichs spielt während der Hussitenkriege im Jahr 1431. An der bayerisch-böhmischen Grenze finden die Vorbereitungen für den Kreuzzug der deutschen Reichsritter gegen die böhmischen Hussiten statt. In der von den Schlachten stark gebeutelten Grenzstadt Furth im Wald versucht die "Ritterin", eine junge Adelige und Nichte des herzoglichen Pflegers Peter von Chamerau, Kriegsflüchtlinge und Bürger mit Nahrung zu versorgen und beim Wiederaufbau der Häuser und des Gemeinswesens zu helfen.

Es kommt zum Konflikt zwischen von Chamerau, der die Stadt Furth vernachlässigt und sich lieber am Hof in Straubing herumtreibt, und dem Ritter Erasmus von Sattelbogen, dem beim Vok beliebten Rivalen des Pflegers. Im Zuge dieses Konflikts kommt scheinbar Udo, der Lehensmann des Sattelbogner und Verlobte der Ritterin, zu Tode.

Vom Krieg erweckt nähert sich der uralte Drache der Stadt. Laut dem Stück war er in grauer Vorzeit der Beschützer der Menschen, der ihnen die Nutzung des Feuers lehrte. Als die Menschen jedoch begannen, gegeneinander Kriege zu führen und das Land zu verheeren, begann der Drache aus Mangel an anderer Nahrung, sich von Menschen zu ernähren und wurde, nachdem er auf den Geschmack gekommen war, zum erbitterten Feind der Menschen. Nur durch das Opfer einer Unschuldigen konnte der Drache in die Hölle verbannt werden.

Im Laufe des Stücks werden immer wieder Stellen aus der Offenbarung des Johannes zitiert, die den Drachen mit dem Drachen der Apokalypse gleichsetzen. Die Legende besagt, dass der Drache nur durch Mut oder Opfermut bezwungen werden könne. Jemand, der noch nie einen Menschen getötet hatte, müsse den Drachen töten oder sich von ihm fressen lassen, um ihn endgültig zu besiegen.

Die Ritterin stellt sich freiwillig, aber auch auf Drängen ihres Onkels, als Opfer für den Drachen zur Verfügung. Im letzten Moment stellt sich heraus, dass Udo noch am Leben ist, und er zieht los, den Drachen zu erlegen. In einem effektreichen Kampf erlegt Udo das Untier und rettet Furth im Wald vor der Bedrohung.

QuellenBearbeiten

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