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Cockatrice (selten auch Cockatrix[1]) ist eine Bezeichnung, die meist für basiliskenartige Kreaturen verwendet wird. Nach den meisten Quellen besitzt sie einen giftigen Atem und lässt ihre Eier wie der Basilisk von Kröten oder Schlangen ausbrüten. Im Mittelalter wurden die beiden Wörter Basilisk und Cockatrice meist synonym verwendet.

Die Cockatrice soll einem Hahn gleichen, der jedoch den Schwanz einer Schlange und einen Schnabel voller Zähne hat. Statt Federn hat er in manchen Legenden jedoch Schuppen, seine Augen ähneln denen der Kröte. Oft ist er einfach ein Wyvern mit einem Hahnenkopf.

Wie vom Basilisken erzählt man sich auch von der Cockatrice, dass diese einen tödlichen Blick hat und nur von einem Wiesel getötet werden kann. Nach anderen Quellen ist das Krokodil der Erzfeind der Cockatrice[2].

EtymologieBearbeiten

Der Name Cockatrice leitet sich vermutlich vom altfranzösischen cocatris, und dieses vom lateinischen calcatrix, ab. Calcatrix war widerum die Übersetzung des griechischen Ichneumon, welches ein reales Tier bezeichnet, von dem man glaubte, dass es sich von Krokodilen ernährt.[3]

Nach anderen Vermutungen soll Cockatrice die gleiche Wortherkunft haben wie Krokodil, wofür auch die Verwendung der Bezeichnung cockatriz für das Nilkrokodil durch den spanischen Autor Pedro Tafur im 15. Jahrhundert spricht.[3] Davon sollen sich auch die in Frankreich regional ebenfalls gebräuchlichen Bezeichnungen Codrille, Cocadrille, Cocodrille und Coquadrille beziehen. Diese lassen sich alternativ jedoch laut de la Salle auch von coco und drille ableiten, was so viel wie Hahnenkind bedeutet.[4]

FortpflanzungBearbeiten

Eine Legende sagt, die Cockatrice (nach manchen Quellen auch Basilisk) schlüpfe aus einem schalenlosen, dotterlosen oder weichschaligen Ei, das von einem siebenjährigen Hahn gelegt wurde, als der Stern Sirius am Himmel zu sehen war. Eine Kröte oder eine Schlange muss dieses Ei ausbrüten, oder das Ei wird durch Sonnehitze oder Mist bebrütet.

Eine Theorie besagt, dass Cockatrice-Weibchen, wie Kuckucke, ihre Eier in die Nester anderer Vögel, in diesem Fall Hühner, legen. Möglicherweise haben Bauern Cockatrice-Weibchen gesehen, die ihre Eier im Hühnerstall abgelegt haben, und diese aus der Ferne für Hähne gehalten. Über das Aussehen der Küken waren die Bauern dann sicher nicht erfreut. Die Eier scheinen, wie die meisten Reptilieneier, weiche Schalen zu besitzen, was ebenfalls unüblich ist für Hühnereier.

SystematikBearbeiten

Urvogel.jpg

der Urvogel Archäopteryx

Die Cockatrice wird als Wyvern mit Hahnenkopf oder als Hahn mit Zähnen und Schlangenschwanz beschrieben. Dabei liegt es nahe, dass sie ein Wyvern sein könnte, jedoch besitzen Wyvern (vermutlich) keinen Schnabel und keine Federn. Es wäre aber auch möglich, dass es sich um einen sehr primitiven Vogel oder anderen vogelartigen Theropoden handelt, ähnlich dem Archaeopteryx oder dem Velociraptor. Diese erinnern stark an heutige Vögel, im Unterschied zu ihnen besitzen sie aber einen langen, knöchernen Schwanz, und im Schnabel befinden sich Zähne. Auch befinden sich meist Krallen an den Flügeln, was den reptilienhaften Eindruck noch verstärkt. Eine Art der Theropoden, Yi qi, hatte sogar fledermausartige Flügel und bei Sinornithosaurus gibt es aufgrund der Zahnform Vermutungen, dass der Giftzähne besaß, was jedoch kontrovers diskutiert wird und eher unwahrscheinlich ist.[5] Alternativ zu dem langen, knöchernen Schwanz ausgestorbener Vögel könnten entsprechend der Drachenvogel-Theorie auch die langen Schwanzfedern der Fasane als Ursprung der Beschreibungen eines Schlangenschwanzes in Frage kommen.
Velociraptor.jpg

Der kleine Raubsaurier Velociraptor mongoliensis

Heute sind nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft alle Dinosaurier, die diese Merkmale hatten, ausgestorben, jedoch wäre es möglich, dass die Cockatrice eine unbekannte, überlebende Art darstellt.

Laut John Topsell stammt die Cockatrice von den schlangenartigen Basilisken ab, die in der Wüste Lybiens (Afrikas) lebten[6]. In Jamaika und Afrika soll es Schlangen mit Hahnenkamm geben, die eine Zwischenform darstellen könnten. Dies ist jedoch sehr weit hergeholt, da sich Schlangen aus Echsen entwickelt haben, die ihre Beine verloren haben. Es ist unwahrscheinlich (so gut wie unmöglich), dass eine Schlange im Laufe der Evolution erneut Gliedmaßen entwickelt. Außerdem deutet das Äussere der Cockatrice eher auf eine der oberen Erklärungen hin. Die mythologische Verbindung zum Basilisken entstand wahrscheinlich aufgrund des Giftes beider Tiere.

Legenden und BerichteBearbeiten

Eine Cockatrice in AachenBearbeiten

Basilisk.png

Die Cockatrice in der Jahres-chronik Janssens

In Aachen (Deutschland) glaubte man im Jahr 1748, dass zwei Hähne Cockatrice-Eier gelegt hätten. Der Bürgermeisterdiener Johannes Janssen schreibt in seiner Chronik für dieses Jahr:

In Cöllerstrass bei ein Bürgersman, welcher Hühner halt, daselbst hatt der Hahn ein Ey gelegt eben wie ein Huhn, aber schmal und lang, nicht gestaltet wie ein Hühner-Ey, warüber der Mann kommet und dieses gesehen den Hahn gleich todt geschlagen.
In Marschierstrass ist dasselbige geschehen, aber der Mann hatt den Hahn leben lassen wo er aber das Ei hingetan hat, das weis ich nicht, und wie man vor gewiss hält aus diese Hahnen-Eier würden die erschreckliche giftige Tier, Basilisken genannt, ausgebrütet. Diese Tiere sind so schädlich und giftig, dass ein einziges könne ein ganz Land die Luft vergiften, dass Menschen und Vieh davon sterben müssen. Dieses Tier ist gestaltet wie ein Hahn, allein sein Stärtz ist ein Slang oder Drachen gleich und ganz klein wie diese Figur anzieget, aber etwas grösser, die allergröste ist wie ein Daube gegen der Gröse zu rechnen, und so fortan, dann ich habe eine mit meine Augen gesehen, aber tot und balsamiert vor eine Raritat in Brüssel, aber eine lebendig ist so voller Gift, dass wanns ein Mensch von fern tut ansehen, er davon gleich muss sterben, ja sogar wo das Tier sich aufhält, wachst weder Gras noch anderes Kraut, die Baum und Sträucher verdorren durch seine giftige Gegenwart. Gott will uns behüten hier zu Land vor dergleiches Tier. Wan Hahnen in der Stadt Eier legen, so werden sie se auch da aussen bij de Bauren thun, alwo dies Thier könnte ausgebrühtet werden im Feld oder Busch. Gott bewahr uns darvur.“

Cockatrice von Castle GwysBearbeiten

Im Castle Gwys in Wales soll es eine Cockatrice gegeben haben, deren Körper vollständig mit Augen bedeckt war. Jedoch schien sie keinen tödlichen Blick zu besitzen. Der Grundbesitz Wiston wurde demjenigen versprochen, dem es gelang, das Tier zu sehen, bevor er davon gesehen wurde. Diese Aufgabe wurde von einem Mann gelöst, der sich in einem Fass versteckte und so den Unterschlupf der Cockatrice betrat.

Ähnliche WesenBearbeiten

AitvarasBearbeiten

Aitvaras ist ein Hausgeist aus der litauischen Mythologie. Er erscheint als Hahn mit einem flammenden Schweif, und soll aus dem Ei eines je nach Überlieferung 7 bis 15 Jahre alten Hahnes oder dem Hoden eines schwarzen Hengstes schlüpfen.

Es heisst auch, dass er in Gebäuden die Gestalt eines Hahnes annimmt, während er im Freien als Drache erscheint.

Der Aitvaras soll dem Hausbesitzer sowohl Glück als auch Pech bringen. Oft heisst es, er beschenkt seinen Besitzer mit gestohlenem Gold, was den Besitzer mitunter in Schwierigkeiten bringen kann. Erzürnt man ihn, brennt er das Haus nieder. Angeblich verkauft der Teufel Aitvaras für den Preis einer Seele.[7]

AmphisienBearbeiten

In der Heraldik wird ein echsenartiger Hahn als Amphisien bezeichnet.

Basilisco ChiloteBearbeiten

Basilisco Chilote ist ein Fabelwesen vom Chiloé-Archipel vor Chile. Hier haben sich Mythen von Basilisken mit dem Mythos vom Colo Colo (siehe unten) vermischt.

Es handelt sich um eine Schlange mit Hahnenkamm, die aus einem Ei schlüpft, das von einem Hahn bebrütet wird. Sie nistet sich unter einem Haus in der Erde ein und ernährt sich dann vom Speichel der Bewohner, wodurch diese dehydrieren und sterben.

Legt ein Huhn ein Basiliskenei, sollte man das Ei zerstören und auch das Huhn töten, da es sonst weitere Basiliskeneier legen könnte. Ist der Basilisco erst geschlüpft, wird man ihn nur los, indem man das Haus niederbrennt.

ChickenosaurusBearbeiten

Desert chickensaur by hyrotrioskjan.jpg

Künstlerische Darstellung des Chickenosaurus

Der amerikanische Paläontologe Jack Horner hat es sich zum Ziel gemacht, aus einem Huhn einen Dinosaurier zu züchten. Dazu möchte er bestimmte Gene im Erbgut des Huhns verändern, so dass der embryonal angelegte Schwanz nicht zurückgebildet wird und die Hände nicht in Flügel umgewandelt werden. Ausserdem soll das Huhn Zähne erhalten, jedoch sind diese nicht mehr im Erbgut des Huhnes enthalten, was diesen Punkt erschweren dürfte.[8][9]

CocodrilleBearbeiten

Cocodrille (auch Codrille oder Cocadrille) ist ein französisches Wort, das regional für die Cockatrice verwendet wird, jedoch häufig auch im Bezug auf Vouivre-artige Kreaturen. Die Cocodrilles sollen, im Gegensatz zu den üblichen Basilisken, im Laufe ihres Lebens zu ausgewachsenen Drachen heranwachsen. Anstatt eines Hahnenkammes oder einer Krone tragen sie einen Drachenstein auf ihrem Kopf.

Mit der Cockatrice gemein ist neben der Abstammung von einem Hahn auch der tödliche Blick und die Aura von Krankheit, die das Tier umgibt. Sie schlüpfen ebenfalls aus dotterlosen Eiern und werden durch Sonnenhitze oder Mist ausgebrütet. Das Schlüpfen kann verhindert werden, indem man Eschenzweige einpflanzt oder einen Hahn hält, welcher die frisch geschlüpften Cocodrilles verschlingt.

Aus dem Ei schlüpft eine Schlange. Jeder, den die Schlange ansieht, stirbt, aber jeder, der die Schlange zuerst ansieht, tötet sie dadurch. Später wachsen der Schlange Beine und sie wird ein Salamander. Wenn dieser sich letztendlich in einen Drachen verwandelt, wird er unempfindlich gegen Blicke und fliegt zum Turm von Babylon und verbreitet auf dem Weg dorthin Krankheiten.[4]

Colo ColoBearbeiten

Colo Colo sind rattenartige Fabelwesen aus der Mythologie der Mapuche. Sie erscheinen als gefiederte Ratten oder als Schlangen oder Echsen mit Rattenkopf. Ein Colo Colo schlüpft aus einem Schlangenei, das von einem Hahn ausgebrütet wurde. Sie ernähren sich vom Speichel von Menschen, weshalb sie sich nachts in Häuser schleichen. Am Morgen wird der Mensch sich dann erschöpft und müde fühlen. Manchmal wird man den Colo Colo nur los, wenn man das Haus, in dem er sich eingenistet hat, niederbrennt.

Gallus monstrosusBearbeiten

Athanasius Kircher (Mundus subterraneus) und Ulisse Aldrovandi (Monstrorum historia) beschrieben einen Hahn, der im Boboli-Garten in Florenz beobachtet wurde. Wie die Cockatrice besaß er einen federlosen, schlangenartigen Schwanz, jedoch wurde kein Gift oder dergleichen erwähnt. Aldrovandi bildet den Schwanz mit einer Quaste am Ende ab, wie ein Kuhschwanz. Aufgrund der sehr ähnlichen Darstellung kann man davon ausgehen, dass Kircher den Bericht Aldrovandis kopiert hat.

Gye-RyongBearbeiten

Gye-Ryong (계룡/鷄龍) ist ein koreanisches Fabelwesen. Der Name bedeutet so viel wie Hühner-Drache. Zwar tauchen sie nur selten in der Mythologie auf, manchmal jedoch ziehen sie die Karren wichtiger mythologischer Persönlichkeiten. Die Prinzessin des Königreichs Silla soll aus einem Gye-Ryong-Ei geschlüpft sein.

Der Berg Gyeryong-San wurde wegen seines Aussehens so benannt. Er soll dem Körper eines Drachen mit dem Kamm eines Hahnes gleichen.

SkoffinBearbeiten

Nach manchen Quellen schlüpft der isländische Skoffin, wie die Cockatrice, aus dem Ei eines Hahnes. Auch durch seinen tödlichen Blick gibt es Parallelen zu Basilisk und Cockatrice.

GalerieBearbeiten

TriviaBearbeiten

Cockatryx Ei.png

Ein Cockatryx-Ei nach Dr. Ernest Drake

  • Dr. Ernest Drake hat das Aussehen der Cockatrice, die er Cockatryx (Gallicus halitosis) nennt, in seinen Büchern widersprüchlich beschrieben und dargestellt: In den Dragonology-Büchern wird sie als rot oder grün beschrieben und sieht ganz anders aus als in dem Buch "Fantastische Wesen" (Monsterology). Dort hat sie die Färbung und das Aussehen eines Hahns mit Drachenflügeln und regenbogenfarbenem Schwanz (siehe auch Bild in der Infobox oben).

siehe auchBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. The British Museum: Cockatrix
  2. Terry Pratchett & Jaqueline Simpson (2008), The Folklore of Discworld, Corgi Books, ISBN 978-0-55215-493-2
  3. 3,0 3,1 Wikipedia: Cockatrice
  4. 4,0 4,1 A Book of Creatures: Codrille
  5. Federico A. Gianechini, Federico L. Agnolín, Martín D. Ezcurra: A reassessment of the purported venom delivery system of the bird-like raptor Sinornithosaurus. In: Paläontologische Zeitschrift. Bd. 85, Nr. 1, 2011, S. 103–107, doi:10.1007/s12542-010-0074-9.
  6. John Topsell (2008), Drachen, Bassermann, ISBN 978-3-8094-2261-7
  7. Wikipedia: Aitvaras
  8. How to Hatch a Dinosaur
  9. Jack Horner (2010), Evolution rückwärts - Auf den Spuren des Dinosauriers im Huhn, Spektrum, ISBN 978-3-8274-2441-9

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