FANDOM


Arion hockte sich hin, um der Gefangenen in die Augen sehen zu können.

„Wie heißt du?“, fragte er sie zum zigsten Mal. Er seufzte. „Du bist anscheinend stumm. Hör mal: Ich tue dir nichts.“ Sein Kopf fuhr ruckartig hoch, als das Mädchen unvermittelt sprach: „Ihr tut mir nichts? Ihr habt die Soldaten umgebracht.“ Es versuchte, einen Hustenanfall zu unterdrücken, was jedoch nicht gelang. Der Mann erhob sich und holte einen Lederbeutel.

Er hielt ihn dem Mädchen an den Mund und meinte: „Komm, das wird dir gut tun.“ Er konnte ein Grinsen nicht unterdrücken, als das Mädchen das Gesicht verzog und sich schüttelte.

Walerischer Schnaps, hilft gegen fast alles.“ Schnell drehte Arion sich weg. Schöne Frauen waren gefährlich - sie konnten einem Mann den Kopf verdrehen.

Unbewusst tat die Gefangene das schon. Arion atmete durch: „Jetzt kannst du mir deinen Namen doch verraten, oder?“ Namen bedeuteten Macht. Auch das Mädchen schien dies zu wissen, denn es zögerte.

Sein Name kam nur leise über seine Lippen: „Anira.“ Das Flüstern eines Windes, der Hauch einer Brise hätte ihre Stimme übertönen können, doch in diesem Moment verstummte alles. Kein Vogel zwitscherte, kein Blatt raschelte, niemand sprach. Das Alles dauerte nicht länger als ein Wimpernschlag. Das Lagerleben ging in normaler Lautstärke weiter, doch Arion erschien es wie eine Geräuschexplosion. Anira sah ihn verwirrt an, er stand dort wie gelähmt.

Der Anführer der Banditen verließ das Zelt. Kaum schlug die Fellklappe hinter ihm zu, lief es Anira kalt über den Rücken. Sie begann, unkontrolliert zu zittern. Starre ergriff ihren Körper. Sie fiel auf ihr provisorisches Lager zurück. Die Ränder ihres Blickfeldes wurden dunkel, alles verschwamm und schließlich fiel sie in Ohnmacht.


Arion verließ das Lager und ging zu einem Runenstein ganz in der Nähe. Dort wartete bereits ein Fremder auf ihn. Die große Kapuze ließ das Gesicht nur erahnen. Der Banditenführer sank auf ein Knie, die Hand zur Faust über dem Herzen geballt.

Das „Du hast sie gefunden“ des Fremden war mehr eine Feststellung als eine Frage. Dennoch erwiderte Arion respektvoll: „Ja, Meister. Sie selbst nennt sich Anira.“

„Sie weiß noch nichts über ihr Erbe, ihre Bestimmung. Bis die Zeit reif ist, muss das so bleiben. Erst dann werde ich sie einführen. Hast du mich verstanden Arion?“

Arion nickte und fügte zögerlich hinzu: „Aber anscheinend wissen auch unsere Feinde von ihr. Ich sah es in Vaelins Augen. Er kannte die Wahrheit, Mentor!“

Der geheimnisvolle Fremde schloss die Augen. „Ich sehe es. Beschütze sie mit deinem Leben. Oder mit dem deiner Männer.“

„Sie werden nicht verstehen, warum eine Gefangene so wichtig ist. Ich müsste es verraten, aber das wäre...inakzeptabel“, wandte der Mann ein.

„Dann mach sie wichtig für dich!“ herrschte ihn der Meister an. Arion sah ihn verständnislos an, dann weiteten sich seine bernsteinfarbenen Augen ungläubig. Er bekam kein Wort heraus. Nachdenklich verneigte er sich und verließ die Lichtung.


Als Anira wieder aufwache, befand sie sich irgendwo im Nirgendwo. Einen Ort wie diesen hatte sie noch nie gesehen. Wahrscheinlich träumte sie nur. Wenigstens war es ein schöner Traum. Zumindest, bis sie die Schreie hörte. Schreie, die nichts ähneltem, was sie je gehört hatte. Dann kam die Hitze, als würde ein riesiges Feuer auf sie zurollen. War sie im tir y ddraig? Hatte dieser Bandit den Schnaps vergiftet? Im Land der Drachen sollte es doch...friedlich sein. Das war erst mal egal, sie musste schnellstmöglich verschwinden. Ein Schatten fegt über sie hinweg. Entweder war das der größte Vogel der Welt oder...ein Drache. Das riesige Tier landete und Anira griff an. Sie zog zwei Kurzschwerter aus ihren Rückenscheiden, wirbelte herum und stieß nach dem Drachen. Was tat sie da? Sie besaß nicht einmal Schwerter, und konnte weder kämpfen, noch wollte sie es. Aber sie konnte die Bewegungen nicht aufhalten. Ein harter Schlag ließ sie straucheln. Sie hob ihre Klinge und schrie: „Dies ist dein Ende, Bestie!“ Mit diesen Worten stieß sie ihr Schwert in den Körper des Wyvern. Was ihr jetzt auffiel, sollte ihr gesamtes Leben verändern. Es war nicht ihre Stimme! Sie konnte den Unterschied nicht benennen, doch es gab ihn. Eine Flut von Bildern brach über Anira herein. Dinge, die ihr passiert waren, Dinge, die ihr noch passieren würden. Fremde Erinnerungen. Sie gehörten der Drachentöterin. Mit den Bildern kamen Geheimnisse und Wissen. Und die Gewissheit, dass alles Geschehene geheim bleiben musste. Und zwar nicht nur um ihretwillen.

Störung durch Adblocker erkannt!


Wikia ist eine gebührenfreie Seite, die sich durch Werbung finanziert. Benutzer, die Adblocker einsetzen, haben eine modifizierte Ansicht der Seite.

Wikia ist nicht verfügbar, wenn du weitere Modifikationen in dem Adblocker-Programm gemacht hast. Wenn du sie entfernst, dann wird die Seite ohne Probleme geladen.

Auch bei FANDOM

Zufälliges Wiki